Microlearning: Lerneinheiten aus der Nussschale

squirrel
Im Alltag kommen wir häufig mit Kurznachrichten aus: SMS, WhatsApp oder Twitter. 140 Zeichen oder weniger verwenden wir hier, nicht mehr. Aber eignen sich solche kleinen Häppchen auch zum Lernen? Die Antwort lautet: Ja! Der E-Learning-Trend „Microlearning“ (im Deutschen auch „Mikrolernen“ genannt) bietet die Möglichkeit, selbst hochkomplexe Inhalte zu vermitteln, indem er sie auf kleine, interaktive Lerneinheiten reduziert.

 

Was ist Microlearning?

Beim Microlearning werden komplizierte Sachverhalte in mundgerechten Lernhäppchen serviert. Anstelle einer ganzen Fremdsprachen-Lektion werden Lerneinheiten vorgesetzt, die in diesem Fall aus Vokabeln, Sätzen, Aussprachebeispielen oder kulturellen Besonderheiten bestehen. Der Lernprozess dauert dabei gerade mal so lange wie das Kauen, einige Sekunden (vielleicht Minuten).

Hierzu wird auf bewährte pädagogische Elemente aus dem E-Learning zurückgegriffen, insbesondere aus dem Bereich Gamification. Es kann sich zum Beispiel um Quiz-Fragen handeln oder eine Karteikarten-App.

 

Warum sind neue Lernkonzepte wie Microlearning heute so wichtig?

Im täglichen Umgang mit (neuen) digitalen Medien fällt es uns nicht immer leicht, unsere Aufmerksamkeit über Wasser zu halten. So kann es nach einer Schulung passieren, dass wir das Gelernte vergessen haben, sobald wir aus der Tür raus sind. Von diesem Gedächtnisproblem ist insbesondere die jüngere Generation betroffen.

Die permanenten Veränderungen im Unternehmensumfeld kommen schwerwiegend hinzu. Wissen kann von einem Tag auf den anderen ungemein wichtig werden, anderes innerhalb von einer Nacht obsolet. Das macht es uns nochmal schwerer, den Überblick zu behalten.

nuts

 

Zahlreiche Studien gehen davon aus, dass wir nach einer Weiterbildung schon am Abend über die Hälfte wieder vergessen haben! Gedächtnisforscher wie Tony Buzan gehen sogar von einem Wissensverlust von 80% nach 24 Stunden aus. Die Vergessenskurve des Psychologen Hermann Ebbinghaus hat somit auch nach über 100 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt.

 

Wie funktioniert Microlearning?

Neurologen weisen darauf hin, dass es nur durch regelmäßiges Wiederholen gelingt, Wissen im Langzeitgedächtnis zu speichern. Beim Microlearning werden Fragen so oft wiederholt, bis sie richtig beantwortet werden. Außerdem wird ihr Schwierigkeitsgrad individuell an den Kenntnisstand angepasst.

Microlearning macht es möglich, Lerneinheiten zu einer sinnvollen Geschichte zusammenzufügen (Stichwort: Storytelling). Das muss nichts Aufwändiges sein. Bei einer Frage zum Thema Zugstrecken ließe sich zum Beispiel das Bild eines Bahnhofs einbinden. Bilder werden eher im Langzeitgedächtnis gespeichert und sie tragen zu Assoziationen bei. Das Tier auf dem Titelbild dieses Artikels haben Sie sich mit Sicherheit gemerkt. Aber wie hieß noch gleich der Name des Psychologen mit der Vergesseneskurve?

Auch kurze Lehrvideos, etwa aus YouTube, bilden einen wichtigen Bestandteil des Microlearnings. Bei diesem, aus autodidaktischen Gründen sehr zu empfehlendem Werkzeug, darf jedoch nicht vergessen werden, dass jeder sein Wissen in das World Wide Web stellen kann, wirklich jeder.

 

Wo liegen die Grenzen von Microlearning?

Microlearning bietet die Möglichkeit, den Lernprozess effizienter zu gestalten. Allerdings kann es, das mobile Lernen überhaupt, eine umfangreiche Lehrplanung nicht ersetzen. Für eine erfolgreiche Weiterbildung ist heute vielmehr eine Mischung aus verschiedenen Lernkonzepten gefragt, die auf die Lernenden und die zu vermittelnden Informationen abgestimmt werden sollten. In jedem Fall bildet dieser im Englischen auch als „learning in a nut shell“ bezeichnete E-Learning-Trend eine wirkungsvolle Ergänzung.

Sieht eine Walnuss nicht aus wie ein Gehirn?

walnut

 

Das könnte Sie auch interessieren:
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans“ – Lebenslanges Lernen durch betriebliche Weiterbildung
Gamification: „Spaß ist nur ein anderes Wort für Lernen“
Mobile Learning: Fortbildung auf der Rolltreppe

Fotos: gic (pixabay), Unsplash (pexels) und mypod (pixabay)